Sucht euch einen Baum oder ähnliches. Es kann auch einfach nur ein Plätzchen sein von dem ihr gut beobachten könnt und auf dem ihr länger ausharren könnt.
Nun setzt euch dort hin und wartet bis sich alles, was durch euer Kommen gestört wurde, normalisiert hat.
Und jetzt fangt ihr an zu beobachten: Was passiert ? Wie verhalten sich die Vögel, welche Arten kennt ihr, was gibt es noch zu sehen, etc etc.
Es gibt soviel was sich in der Natur immer abspielt und man kann seine Sinne trainieren, das wahrzunehmen.
Kehrt zu diesem Platz zurück wann immer ihr Lust auf ein wenig Ruhe habt oder in die Natur wollt. So schlicht es klingt, es ist ein tolles Erlebnis.
Lorenz

1 Kommentar:
Heyho, Lorenz,
kaum bin ich zurück aus den Pyrenäen, hab ich gleich wieder einige Ideen mitgebracht...
Bist Du noch ab und zu an Deinem Platz draußen in der Natur? In der Tat ist das einer der schönsten Wege, um die Natur kennenzulernen. Zumal, wenn man regelmäßig draußen ist, die Natur sich immer mehr an einen gewöhnt.
Ich war ja jetzt zehn Tage lang draußen in der Wildnis der Pyrenäen in Südfrankreich. Schon nach wenigen Tagen draußen zeigten mir die anderen Bewohner dieses Platzes immer deutlicher, daß sie mich akzeptierten. Das hatte wohl auch etwas mit meinem Verhalten zu tun - ich war ja alleine da draußen (an sich schon eine Herausforderung) und verhielt mich entsprechend ruhig. Auch meine Beegungen paßten sich fast automatisch dem Rhythmus an, den die Natur nur einmal hat...
Oft des Nachts kamen die Tiere tatsächlich bis an meine Laubhütte heran, in der ich schlief. Offenbar war ich keine Bedrohung mehr, sondern halt eben einfach da.
Ich glaube, es war ein Buchfink, der mich Tag für Tag in meinem kleinen provisorischen Camp besuchen kam. Bis zu einem Meter nah kam er ran, ohne daß ich irgendwie gelockt, gefüttert oder sonst was getan hätte. Am meisten aber schienen mich die Rehe akzeptiert zu haben - diese Meister der Tarnung, die sonst unglaublich aufmerksam und scheu sind. War am ersten Abend noch eines von mir weggaloppiert - es war seinen Routinen gefolgt und hatte mich plötzlich in der Nähe seines Weges gesehen - wurden sie immer zutraulicher. Ich glaube, eines hat sogar des Nachts mal an meiner Hütte geschnuppert - jedenfalls klang das Geräusch des Weggehens erheblich nach Reh. Und auch das Rascheln im Gebüsch verriet, daß diese scheuen Tiere sich meinem Camp nicht gerade fernhielten.
Am Abend des fünften Tages dann stand ein Reh auf meinem Weg. In was für einem Moment! Ich war ohnehin gerade tief berührt. Hatte von einem meiner Lieblingsplätze aus in die Weiten des Gebirges geschaut und war mir gerade über einige fundamentale Dinge klargeworden, war noch ganz betroffen. Schlendere dabei einige Meter - und dann steht da das Reh, mitten auf dem Weg, schaut mich an. Die zeigen sich sonst so gut wie nie im Hellen! Und wenn die einen wahrnehmen, hauen die sonst ab wie nix, noch lange bevor man sie bemerken kann. Dieses Reh dagegen stand seelenruhig mitten auf dem Weg, sah mir entgegen, vielleicht ein Dutzend Meter vor mir. Stand ein Weilchen da, ich ebenfalls wie angewurzelt. Und dann ging es gemütlich seines Weges, als sei nichts gewesen.
Und dann kam der Abend - ich glaube, es war der Abend des achten Tages - wo ich abends meine übliche Runde zum Aussichtspunkt über die Berggipfel gegangen war und gedankenverloren und in mich gekehrt zurück zu meinem Lagerplatz schlenderte. Da plötzlich - eine Bewegung, ein Rascheln, ganz in meiner Nähe. Wenige Meter von mir entfernt war ein Reh aufgesprungen, von meiner Nähe wohl doch etwas verunsichert, und hüpfte zur Seite. Ich war mehr als überrascht - das waren nur wenige Meter, so nah war ich einem freien Reh bisher noch nie gewesen, normalerweise komme ich selbst schleichend kaum auch nur ansatzweise in die Nähe.
Und dieses Reh - ich traute meinen Sinnen kaum - blieb auch noch stehen! Ungefähr acht Meter von mir entfernt hielt es, und wir sahen uns beide fragend an.
So standen wir da, die Zeit verstrich. In solchen Momenten hab ich kein Zeitgefühl, es war eine kleine Ewigkeit. Realistisch betrachtet waren es jedenfalls deutlich mehr als fünf Minuten, wo wir beide einfach nur, etwas verunsichert, dastanden. Das Reh, mich kritisch-neugierig beäugend, gelegentlich scheinäsend (tun die manchmal, wenn sie sich nicht sicher sind). Und ich, verblüfft, freudig, auf ruhige Art aufgeregt, ebenfalls neugierig.
Schließlich hate ich ein Gefühl von "reicht jetzt". Hatte das Reh offenbar auch - jedenfalls setzte es sich in Bewegung, seinen Weg fortzusetzen. Aber nicht etwa von mir weg - nein, schräg an mir vorbei, in einem Abstand von vielleicht vier Metern!
Ach man, ich tippe schon wieder zu viel. Bin jetzt noch am Schwärmen. Solche Dinge jedenfalls können passieren, wenn die Natur einen akzeptiert hat. Ich hatte eigentlich nichts weiter gemacht, als über einen gewissen Zeitraum regelmäßig bzw dauerhaft dort zu sein und offen zu sein für das, was um mich herum passiert.
Was ich eigentlich schreiben wollte: ein besonderes Erlebnis ist es, seinen Platz nicht immer nur zur selben Zeit aufzusuchen. Zu unterschiedlichen Zeiten passieren unterschiedliche Dinge. Besonders stark ist das, wenn man Nachts mal rausgeht. Ich habe in den Pyrenäen mir einen Abend etwas Zeit genommen und bin auch nach Sonnenuntergang aufgeblieben. Habe mir in der Nähe meiner Hütte ein Gebüsch gesucht, in das man sich bequem setzen konnte und aus dem heraus ein freier Ausguck möglich war, welches mich selbst aber gut verdeckte.
Der Wald an sich ist ja derselbe wie tagsüber. Doch Nachts gehen da noch mal ganz andere Dinge ab. Einige Tiere sind Nachts wesentlich aktiver als tagsüber. Und so war es auch hier: kaum hatte die Nacht den Tag abgelöst, veränderte sich das komplette Leben im Wald.
Mal sehen, ob ichs noch zusammenkriege:
- den Grundton bestimmten die Grillen mit ihrem unablässigen Gesang.
- Glühwürmchen gabs keine dort, wies sie hier in Massen gibt - schade eigentlich.
- in dem Gebüsch, in dem ich saß, raschelten fleißig die Mäuse. Eine Maus kam sogar bis an mein Bein heran, bevor sie merkte, daß da wa komisch nach Mensch riecht und sie schleunigst wieder verschwunden ist.
- Irgendwie war mein Waldstück Wildschweinfrei, warum auch immer - aber aus den Nachbargebieten drangen immer wieder Grunzlaute herüber.
- auch die Rehe raschelten immer mal wieder herum, kamen aber nicht aufs Campgelände.
- Der Mond... Sooo schön...
- Dann irgendwann erhob der ... keine Ahnung, wie er heißt, oder was er ist, seine Stimme. Vermutlich ein Vogel, jedenfalls ein seltsames Wesen. Den kannte ich schon von den Nächten vorher, seine Stimme hatte mir anfangs in der Hütte echt zu schaffen gemacht. Also, das ist ein tier, welches sich völlig lautlos in großen Höhen von Baum zu Baum bewegt. Dabei schreit es ständig und ausdauernd ohne jeglichen Anlaß wie ein wildes Ferkel. Es ist völlig distanzlos, kommt sehr nah, ist aber nicht zu sehen. Von warnenden Stimmen, die jedes andere Tier verscheuchen, ist es nicht zu beeindrucken. Mann, was hatte ich eine Angst die erste Nacht, bis ich herausfand, daß das Wildschweinferkelgeschrei hoch aus den Bäumen kam... Noch dazu wirft es bösartig mit Ästen nicht unerheblicher Größe; da, wo es sich gerade aufhält, fallen ständig mit lautem Krach und Plumps, welches sich durchs ganze Erdreich zieht, reichlich dicke Äste von den Bäumen runter. Ich habe einige dieser Äste gesehen - da hätte ich nicht liegen wollen! Na, jedenfalls veranstaltete dieses seltsame Vieh seinen allnächtlichen Lärm, und aus den Nachbarwaldstücken antworteten seine Mitgeschöpfe.
- Mist, ich krieg nicht mehr alles zusammen - da war noch einiges an Bewegung in der Nacht...
Irgendwann entschied ich mich dann doch mal, Schlafen zu gehen. Aber, was ich eigentlich sagen wollte: ich kans nur dringend empfehlen, sich den Sitzplatz mal bei Nacht anzusehen. Ein Abenteuer für sich, zumal es dunkel ist (Taschenlampe ist absolut tabu, sonst sehen einen die Tiere ja sofort) und Augen und Ohren noch mal ganz besonders weit aufgehen...
Bin auf Eure Erfahrungen gespannt.
Lieben Gruß,
Malte
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